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Epilog - Seite 10

Konkreter: Eine Vorstellung von Gott ist dir nicht fremd?

Ist mir nicht fremd, aber meine Vorstellungen von Gott sind nicht etwas, das mich dazu führen würde, immer wieder niederzuknien und in eine bestimmte Richtung zu blicken. Nein.

Konkret: Kannst du dir ein Paradies vorstellen, eine Hölle? Kommst du in die Hölle?

Paradies haben wir ja jetzt schon und in der Hölle sind wir auch. Konkreter brauch ich's nicht.

Und was kommt dann, wenn wir das alles schon haben?

Frage ist, ob etwas dann kommt. Ob wir wollen, dass dann etwas kommt.

Würdest du es denn wollen und was?

Ich will nicht zeigen, wie schwierig oder wie sinnlos es ist, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen, wenn aber, dann würde ich gerne eine andere Art zum Saxophon haben, eine aktivere Art zum Saxophon, als ich es jetzt habe. Saxophon vor allem. Auch Trompete, aber Saxophon wäre mir am liebsten. Und das habe ich nicht.

Wäre das ein Wunsch von dir?

Es wäre ein Wunsch, wenn ich mich gerade einmal in meinen Wünschen bade. Es wäre ein Wunsch nicht in der Art, dass ich jetzt sage, na, ich bin erst fünfundsiebzig, dann kann ich die nächsten zehn Jahre Saxophon lernen. Das Leben als ein schönes langes Saxophonsolo, das wäre nicht schlecht. Nein, mit fünfzehn macht man das. Und zu fünfundsiebzig kommt mir in den Kopf: küss die Hand, gute Nacht. Das wollte ich noch gerne sagen. Ich wollte das gerne zu jemandem sagen, dem es zu sagen mir selber ein angenehmes Gefühl bereiten würde: küss die Hand, gute Nacht. Wie ich es als Kind getan habe. Gelernt habe ich das von der Mutter, die das gegenüber der Großmutter oder dem Großvater gesagt hat. Es ist ein schöner Gruß: Küss die Hand, gute Nacht.

Das Gespräch mit Ernst Jandl führte Klaus Siblewski
am 19.11.1999 in Wien, Zentagasse 16.

Textauszug aus "a komma punkt"
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